Persönlichkeiten aus MSP: Das Team der Plattentruhe

Wer in die Karlstadter Altstadt eintaucht, erwartet vieles – aber vielleicht nicht unbedingt eine Oase für Vinyl-Liebhaber, die eher an ein gemütliches Wohnzimmer als an ein kühles Fachgeschäft erinnert. Wir haben für unsere Reihe „Persönlichkeiten aus MSP“ mit Jakob Schreiner (36) gesprochen. Er ist Schriftführer des Vereins 33einDrittel e.V. und gibt uns Einblicke in das Herzprojekt „Plattentruhe“, das beweist: Musik ist in Main-Spessart alles andere als nur ein Mausklick.

Mehr als nur Konsum: Ein Wohnzimmer für die Musik

Wer die Plattentruhe betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht um das schnelle Geschäft. „Wir wollen ein Treffpunkt sein, kein reiner Konsumort“, erklärt Jakob. Für ihn und das über zehnköpfige Team ist der Laden wie ein zweites Wohnzimmer. Ob man nun seit 40 Jahren leidenschaftlich sammelt oder gerade erst den ersten Plattenspieler abgestaubt hat – in den Regalen findet jeder etwas. Die Auswahl reicht von Rock- und Pop-Klassikern bis hin zu echten Underground-Schätzen und Raritäten kleiner Labels. Doch die Plattentruhe ist auch ein Ort des Austauschs. Man kommt auf ein Getränk vorbei, fachsimpelt über B-Seiten oder genießt einfach die Atmosphäre bei einer der Veranstaltungen.

„Bei uns ist das ganze Jahr Record Store Day“

Während viele Plattenläden im April den weltweiten „Record Store Day“ mit limitierten Sonderausgaben feiern, geht die Plattentruhe bewusst einen anderen Weg. „Das Konzept mit Vorbestellungsstress und teuren Sammlerartikeln passt nicht zu uns“, sagt Jakob. Das Team setzt lieber auf kuratierte Secondhand-Schätze zu fairen Preisen und die ganzjährige Unterstützung unabhängiger Künstler.

Ehrenamt aus Leidenschaft

Das Besondere an der Plattentruhe? Sie trägt sich komplett selbst, aber niemand verdient daran Geld. Alle Einnahmen fließen zu 100 Prozent zurück in die Miete, die Nebenkosten und neue Projekte. Das Team arbeitet komplett ehrenamtlich.

„Musik ist unser gemeinsames Hobby, und jeden Samstag leben wir das zusammen aus. Wir planen gemeinsam, setzen Ideen um und bringen so wieder Leben in die Karlstadter Altstadt – darauf sind wir schon stolz, gerade weil Läden hier ja eher zu- als aufmachen.“

Vinyl als Gegenentwurf zum digitalen Überfluss

In Zeiten von Streaming-Diensten wirkt eine Schallplatte eher oldschool und überholt. Doch Jakob sieht das anders: „Streaming macht Musik oft austauschbar. Man scrollt durch endlose Listen und skippt nach 30 Sekunden.“ Eine Platte hingegen zwingt zur Entschleunigung. Es geht um die Haptik, das Artwork und das bewusste Hören eines ganzen Albums.” Das kommt vor allem bei der jüngeren Generation in der Region fantastisch an. Für viele ist Vinyl kein Retro-Trend, sondern eine bewusste Wertschätzung der Kunst.

Der heimliche Schatz der Truhe

Fragt man nach der „Seele“ des Ladens, gibt es in der Plattentruhe keine einfache Antwort, sondern die „Truhentipps“ – eine Kiste mit persönlichen Empfehlungen der Teammitglieder. Doch ein ganz besonderes Stück hat einen Ehrenplatz: Die Maxi-Single von Ice Cube – „Today Was a Good Day“. Sie stammt aus einem der ersten Ankäufe, ist unverkäuflich und dient dem Team als feste Feierabend-Hymne, wenn samstags die Tür abgeschlossen wird.


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